Forward Darlehen oder Umfinanzierung?
Im Bereich der
Immobilienfinanzierung weit verbreitet sind sog.
Forward Darlehen. Hierbei handelt es sich um
eine Verlängerung des bestehenden
Darlehensvertrages unter Sicherung des
gegenwärtigen Zinsniveaus. Doch diese Prolongation muss
nicht immer die günstigste Lösung sein. Oft kann
es durchaus sinnvoll sein, die Option einer
Umfinanzierung sorgfältig zu überprüfen.
Das Besondere an
Forwarddarlehen ist die Tatsache, dass sich der
Kunde zum aktuellen Zeitpunkt das Zinsniveau für
die Zukunft sichern kann. Dieser Zeitpunkt kann
- anbieterabhängig - auch mehrere Jahre in der
Zukunft liegen. Für die Zeit der
Zinsreservierung muss ein - in der Regel
monatlich zu verrechnender - prozentualer
Aufschlag bezahlt werden. Dies bedeutet, dass
Forward Kredite umso teurer werden, um so länger
der Vertragszeitpunkt in der Zukunft liegt.
Der Vorteil im Vergleich zur
Umfinanzierung liegt in der Planungssicherheit.
Der Darlehensnehmer kennt bereits zum jetzigen
Zeitpunkt die genauen Konditionen seiner konkreten
Anschlussfinanzierung. Grundsätzlich sind
Forwarddarlehen aber immer eine Zinsspekulation,
die auch fehlschlagen kann. Hierbei ist
anzumerken, dass es sich - entgegen manch
verbreiteter Fehleinschätzung - bei einem
Forward Kredit nicht um ein Optionsgeschäft,
sondern um einen verbindlichen Vertrag handelt.
Wenn während der Aufschubzeit die Zinsen sinken, wird das Darlehen
somit teurer als es bei
einem zeitnahen Abschluss wäre.
Ob eine Umfinanzierung günstiger ist hängt
primär von der Entwicklung des Zinsniveaus ab.
Empfehlenswert ist es in jedem Falle, sich nicht
mit dem Forward-Angebot des aktuellen
Kreditgebers zufrieden zu geben, sondern den Markt
genau zu sondieren. In Anbetracht von
Zinsunterschieden von bis zu 1,5% lohnt sich oft
auch eine Umfinanzierung. Ein "normales"
Darlehen kann insbesondere dann eine günstigere
Alternative sein, falls die Zinsbindung während
der nächsten 12 Monaten endet, da verschiedene
Banken bis zu 12 Monaten keine
Bereitstellungszinsen in Rechnung stellen.
Ein Bankenwechsel und eine
damit verbundene Umfinanzierung kann unter
Umständen viele tausend Euro an Zinsen sparen.
Insofern sollte man die Varianten der
Umschuldung genau abklopfen, um die
Gesamtbelastung so gering als möglich zu halten.
Genau geklärt werden muss im Zusammenhang mit der
Bewertung von Forward Darlehen auch die Frage
nach der Höhe einer eventuellen
Vorfälligkeitsentschädigung. Diese wird vom
Kreditgeber in Rechnung gestellt, wenn der
Kreditnehmer den Darlehensvertrag innerhalb der
Zinsbindungsfrist kündigt und eine
Umfinanzierung anstrebt. Die konkrete Höhe der
Vorfälligkeitsentschädigung ist von Bank zu Bank
unterschiedlich, befindet sich aber meist in
einem Bereich von 5 bis 10% der
Netto-Darlehenssumme.